Altersvorsorge für Selbständige

17 August 2012 Kein Kommentar

Die Pläne des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS), eine verpflichtende Altersvorsorge für Selbständige einzuführen, hat die teilweise desolate Altersabsicherung vieler Selbständiger und Unternehmer in den Fokus gerückt. Die Rentenpflicht für Selbständige in ihrer ursprünglich geplanten Form gefährdet jedoch Existenzen und kann Neugründungen verhindern oder vorzeitig ins wirtschaftliche Aus führen.

Die Pläne des zuständigen Bundesministeriums, bis 2013 eine Rentenversicherungspflicht für Selbständige einzuführen, hat eine enorme Gegenreaktion provoziert. Eine Initiative Betroffener hat in einer Petition mit über 80.600 Unterschriften dazu aufgefordert, die Pläne der wirtschaftlichen Realität zahlreicher Kleinunternehmer und Gründer anzupassen. Tatsächlich sind mehr als die Hälfte der 4,5 Millionen Selbständigen in Deutschland Einzelunternehmer, viele davon mit unsicherer Auftragslage und geringem finanziellen Spielraum.

Private Angebote zur obligatorischen Altersvorsorge

Private Bankinstitute sind angehalten, in Beratungsgesprächen ihre Kunden auf die individuelle Rentenlücke hinzuweisen. Für Selbständige ist die im Alter zu erwartende Versorgungslücke oft besonders groß. Dem sollte die obligatorische Rentenversicherungspflicht entgegensteuern. Nach dem ersten Entwurf sollen mindestens Selbständige, die jünger sind als 30 Jahre, in eines der als Altersvorsorge anerkannten Finanzprodukte investieren. Für ältere Selbständige sollen Übergangsfristen gelten.

Viele private Vorsorgemodelle für Selbständige sind mit einem individuellen Risiko bis hin zum Totalverlust der Einlagen behaftet. Das gilt ebenfalls für den privaten Vermögensaufbau und die Investition in Immobilien, die im Gegensatz zu den unten angeführten Varianten jedoch nicht als Altersvorsorge anerkannt werden. Selbständige, die für ihre Alterseinnahmen auf Miete und Depotvermögen gesetzt haben, sollten nach dem ersten Entwurf eine doppelte Vorsorgelast durch zusätzliches Einzahlen in ein anerkanntes Anlageprodukt übernehmen.

Risiken der anerkannten Varianten der privaten Altersvorsorge für Selbständige

Lebensversicherungen
Im Fall einer Geschäftsausgabe oder Insolvenz des Selbständigen muss die Lebensversicherung notfalls zu einem Bruchteil des angesparten Wertes liquidiert werden.

Private Rentenversicherung
Bei finanziellen Engpässen kann die private Rentenversicherung nach wenigen Monaten der Beitragsfreistellung vom Versicherungsunternehmen gekündigt werden. Nach Abzug der Gebühren verbleibt ein kleiner Prozentsatz des angesparten Wertes beim Versicherten.

Berufsständische Versorgungswerke
Diese Option besteht für Mediziner, Juristen, Architekten und freischaffende Künstler. Für andere Freiberufler und Selbständige sind diese Möglichkeiten der Absicherung nicht gegeben.

Rürup-Rente
Gutverdienende Angestellte und Selbständige können während des gesamten Ansparzeitraums die Rücklagen steuerlich geltend machen. Bei Geschäftsaufgabe bleiben die angesparten Beträge erhalten und werden im Rentenalter ausgezahlt.

Freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rentenkasse
Bei einer freiwilligen Anwartschaft auf die staatliche Rente bestehen dieselben Risiken einer ungewissen Rentenhöhe wie für Angestellte.